Kein Straßenfest 2014

Liebe Freundinnen und Freunde
Liebe Soupporterinnen und Soupporter,
Liebe Projekte und Initiativen,
Liebe Helferinnen und Helfer,

wir verkünden schweren Herzens schlechte Neuigkeiten:
Das Suppe&Mucke-Straßenfest wird dieses Jahr nicht in seiner ursprünglichen Form stattfinden.

Wir haben letzte Woche beschlossen, dass es aufgrund unserer aktuellen finanziellen Lage und unserer eigenen Ressourcen nicht möglich ist, Suppe&Mucke dieses Jahr so durchzuführen wir ihr es liebgewonnen habt.

Auch ein unkommerzielles Fest kommt nicht ohne finanzielle Mittel aus.
In den letzten Jahren konnten wir uns auf eine Förderung durch die Kultur-Initiative der EU stützen. Dieses Jahr haben unsere Bemühungen um eine Förderung keine Früchte getragen. Der zweite Grund ist der aufwändige Anmelde-Prozess des Straßenfestes bei den unterschiedlichen Ämtern. Wir sind sehr froh, dort jedes Jahr auf hilfsbereite Mitarbeiter zu treffen. Diese haben in ihrem bürokratischen Raster jedoch wenig Spielraum, um unkommerziellen Veranstaltungen finanziell oder innerhalb des Prozesses entgegenzukommen.

Ein weiterer Grund ist, dass auch unsere eigenen Kräfte erschöpft sind. Fünf Jahre schöne Straßenfeste zu organisieren sind mehr als sechs Monate Arbeit pro Jahr, auf bürokratischer Ebene bis hin zum hundertfachen Einfädeln der Bänder für die Helfer-Ausweise. 1000 kleine und große Aufgaben Jahr für Jahr haben an uns gezehrt und auch deswegen brauchen wir dieses Jahr eine Pause.

Wir sind selbst sehr traurig deswegen und möchten dennoch eine Alternative in einem etwas anderen und vor allen Dingen kleineren Rahmen organisieren. Wir möchten zurück zu unseren Wurzeln und den Fokus wieder auf unsere Inhalte und Ziele lenken, statt in der Größe unterzugehen: die engagierten Projekte, die Personen dahinter und ihre Motivation aus dem Kiez vorstellen, Netzwerkarbeit und Austausch im Kiez leisten und fördern.

Wir möchten durchatmen. Am liebsten mit Euch.

Dafür planen wir ein Suppen-Soli-Festival über zwei Tage an einem uns wohl bekannten Ort mit vorhandener Infrastruktur, das Ende September stattfinden soll. Das spart uns enormen finanziellen Aufwand und auch unsere eigenen Kräfte, die wir sammeln werden um 2015 mit der nächsten Ausgabe von Suppe&Mucke zurückzukommen.

Und wir hoffen, dass uns auf diesem Weg eine alternative schöne, gemeinsame Zeit beschert wird.

Mehr Informationen folgen in Kürze.

Ihr seid alle herzlich eingeladen, uns auch beim Ausrichten des Suppen-Soli-Festivals zu unterstützen. Wir suchen außerdem schon jetzt engagierte Menschen für die Organisation des Suppe&Mucke Straßenfests 2015. Wir freuen uns auf euch!

Eure Suppe&Mucke-Crew, 24.07.2014

 

Hintergrund :: Die Förderlandschaft in Berlin

In Berlin gibt es eine unüberschaubare Anzahl kultureller Projekte in den unterschiedlichsten Bereichen, die ähnliche Probleme haben. Die Finanzierung und Unterstützung von öffentlicher Seite ist hier als unzureichend zu beschreiben. „Die Kulturverwaltung gibt für ihre insgesamt 27 Förderprogramme jährlich ca. 20 Millionen Euro aus. Die Förderprogramme werden einmal im Jahr, der Hauptstadtkulturfonds zweimal im Jahr, öffentlich ausgeschrieben.“ [1]. Alleine diese Verteilung ist eine Farce: 20 Millionen auf 27 Programme verteilt, wobei sich geschätzt 100-150 Projekte pro Förderrunde bewerben. Letztendlich werden durchschnittlich fünf bis zehn Projekten mit einer Summe von ca. 5.000-10.000 Euro pro Geschäftsjahr gefördert. Auf diese Weise kann keine freie kulturelle Szene überleben, sondern nur durch persönliche Grenzgänge qualitativ hochwertige kulturelle Arbeit geleistet werden.

Hingegen beläuft sich der Kulturetat des Landes auf 379,4 Millionen. Davon gehen 309 Millionen an die zehn größten Zuwendungsempfänger (Opern und Theater), für die restlichen Institutionen bleiben 70 Millionen Euro. Die Förderung der Freien Szene stagniert zum Vergleich bei 10 Millionen und es gibt im aktuellen Haushalt auch keine Aufstockung [2][3].

Hinzu kommen die unterschiedlichen Volumen der Bezirksmittel, die an dieser Stelle ebenso kaum erwähnenswert sind. Die Verteilung der vom Land Berlin zur Verfügung gestellten Mittel auf wenige tatsächlich geförderte Projekte sind eher als Absichtserklärung als tatsächliche Unterstützung zu entlarven.

Diese Umstände erschweren und verhindern die freie kulturelle Arbeit in Berlin enorm, wo diese Stadt doch gerade dadurch lebt, ihren Charakter formt und so unzählige Menschen begeistert.

[1] http://www.berlin.de/sen/kultur/foerderung/index.de.html
[2] http://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/politik-aktuell/meldung.59499.php
[3] http://www.bz-berlin.de/artikel-archiv/der-senat-verteilt-773-millionen-fuer-die-kultur

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