Kultur

europäischer Austausch: Kiezsuppe in Bologna, Lille und Berlin

Wir begrüßen dieses Jahr viele Gäste aus Bolgna und Lille. Im Rahmen eines nun beginnenden zweijährigen Austauschprojektes kommen OrganisatorInnen,  KünstlerInnen, HelferInnen und die SuppengewinnerInnen der Louche D’or und des Gran Festival della Zuppa.

Sie bereiten eine Woche lang mit uns das Festival vor. Dabei entstehen mehrere Kunstwerke, Workshops und ein Bühnenprogramm. Die Köche und Köchinnen der Gewinnersuppen der Louche D’or 2012 und des festival della Zuppa 2012 werden auch bei uns ihre Kochkunst zum Besten geben.

Im Gegenzug werden wir dann nächstes Jahr auch untern anderem mit TuneUp in Italien und Frankreich kreativ tätig sein und die vielen schönen Dinge machen, die wir auf Suppe&Mucke wegen der vielen Arbeit selbst kaum machen können: kochen, malen, essen, tanzen, …

Theater auf Suppe&Mucke

Liebe Theaterbegeisterte,

es ist endlich so weit! Nach drei intensiven Probe-Monaten mit Wind, Regen manchmal auch Gewitter aber vor allem viel Sonnenschein:

CollectiveBantu 4 präsentiert
in Zusammenarbeit mit den Schauspielkünstlern
Claire Fontanille, Amandine Thiriet und Ronan Favereau-Berthelo

Sartre vs Strasse

Inszenierung von Philippe Tibbal
nach den Texten von Jean-Paul Sartre und Till Lindemann

affiche SvS_v1_small

p.j.adjedj@me.com

Première

Samstag, den 25 August 2012

19.00 Uhr

im Rahmen des » Suppe und Mucke « Straßenfests

im Widerstandsmuseum
(Galiläakirche, Rigaerstr. 9-10, Friedrichshain)

Weitere Vorstellungen erfolgen am:

Freitag, den 31. August – 19.00 Uhr
Samstag, den 1. September – 19.00 Uhr
am Winterfeldplatz (Spielplatz, Gleditschstr. 3-23, Schöneberg)

Freitag, den 7.September – 18.00 Uhr
Samstag, den 8. September – 18.00 Uhr
im Park am Gleisdreieck (auf der „kleinen Tribüne“, Kreuzberg)

Wie üblich beim Straßentheater, wird kein Eintritt verlangt oder Tickets reserviert jedoch wird um Spenden nach der Vorstellung gebeten!
Beim Regen und unsicheren Wetter werden Regenschirmen empfohlen !
(Dauer ca. 1h)

Weitere Informationen: facebook.com/SartreVsStrasse

Herzliche Grüsse und bis bald, draußen vor der Tür!

Kleine Kulturgeschichte der Suppe

Historiker Prof. Dr. Hans Ottomeyer über die Kulturgeschichte der Suppe.

Speisen sind Teil der Kultur und haben ihre eigene Geschichte. Suppe ist ein Urelement der Küche. Wenn der Braten der Vater ist, dann ist die Suppe die Mutter der Kochkunst. Von ihr abgeleitet sind alle Saucen, Eintöpfe, Brühen, Breie – kurz alles in Wasser, Milch und Wein Gekochte. Den Artikel kann mensch hier lesen »

Straßenfest in Friedrichshain: Die Suppe als politischer Magnet – taz

Von Svenja Bergt

Auf einem Straßenfest in Friedrichshain geht es um das Miteinander im Kiez, ehrenamtliches Engagement und die Vernetzung von lokalen Initiativen. Das Fest ist gut besucht. Doch bei so manchem der Anwesenden kommt die Suppe besser an als die Politik. Auf einem Straßenfest in Friedrichshain geht es um das Miteinander im Kiez, ehrenamtliches Engagement und die Vernetzung von lokalen Initiativen. Das Fest ist gut besucht. Doch bei so manchem der Anwesenden kommt die Suppe besser an als die Politik.

Der metallene Kochtopf ist schon leicht verbeult, aber zumindest groß. Mehrere Dutzend Liter Suppe werden dort hineinpassen, wie viel genau, das weiß selbst der Koch nicht. „Ich mache das heute alles aus dem Bauch heraus“, sagt Matthias Barthmann.

Barthmann ist Leiter des Kinderprojekts Die Nische im Stralauer Kiez. Dass er mit einem überdimensionierten Kochtopf und zwei Kisten voller Gemüse in einer improvisierten Großküche auf einem Hinterhof in Friedrichshain steht, verdankt er den Organisatoren des Straßenfestes „Suppe und Mucke“. Das Fest soll, so die Idee der Macher, den Zusammenhalt im Kiez festigen, zu ehrenamtlichem Engagement ermuntern und Initiativen vernetzen. „Soupport your Kiez“ steht deshalb an dem improvisierten Kochzelt.

Die Linsen hat Barthmann schon in den Topf gekippt und mit Wasser bedeckt, sodass sie quellen können. Nun schneidet er mit zwei Helfern Lauch, Zwiebeln und Zucchini und schält einen Berg an Kartoffeln. „Wichtig ist, dass kein sehr wasserhaltiges Gemüse dazukommt wie Tomaten oder Paprika“, sagt er. Während er Kartoffel um Kartoffel von der Schale befreit, dichtet eine junge Frau das Zelt mit Frischhaltefolie ab: Gerade hat ein Mann vom Lebensmittelaufsichtsamt vorbeigeschaut und bemängelt, dass Dreck durch die Ritzen und in die Suppen fliegen könnte. „Neunmal geht das gut und beim zehnten Mal wird dann doch eine Suppe kontaminiert“, hat er gesagt. Und angekündigt, in zwei Stunden noch mal zu kommen.

Angelika, Köchin im RAW-Tempel, steht neben dem Zelt und raucht. „Friedrichshain ist gerade im Umbruch, die Mieten ziehen an, Kulturprojekte sind gefährdet“, sagt sie. Daher sei es wichtig, die Leute zusammenzubringen, Kontakte zu knüpfen, sich gegenseitig zu unterstützen – damit im Ernstfall Unterstützer zum Beispiel für den Erhalt eines Projekts auf die Straße gehen. Auch Matthias Barthmann meint: „Unsere Einrichtung hat zwar seit 20 Jahren guten Zulauf, doch wir haben nur eine Stelle. Und aus einer Stelle kann ganz schnell keine Stelle werden.“

Nicht alle der rund 60 Initiativen, die am Samstag auf der Schreiner- und Samariterstraße in Friedrichshain stehen, haben überhaupt eine öffentliche Förderung. Die Aktivisten von Mediaspree entern sind dabei, Mitstreiter des bevorstehenden Intersquat-Festivals und das Tacheles, das seit mehreren Wochen die Räumung befürchtet. Allen geht es darum, Präsenz zu zeigen, auf das eigene Anliegen aufmerksam zu machen, im besten Fall neue Mitstreiter zu finden. Die kostenlosen Suppen wirken da wie Magnete: Wer erst einmal an einem Stand ist, um sich seinen Teller vollschöpfen zu lassen, nimmt vielleicht auch noch einen Flyer mit oder wirft etwas Geld in die Spendendose.

Am Stand von Barthmanns Linsensuppe steht eine Menschentraube: Wie es immer so ist, wenn sich irgendwo erst eine Schlange bildet, stellen sich die Vorbeikommenden automatisch an. Der Geruch nach Linsen mit einem Hauch Zimt der auf kleiner Flamme köchelnden Suppe passt zu den Duftwolken des Kartoffeleintopfs, die vom Stand schräg gegenüber über die Straße wehen. Viel Zimt, viel Honig, viel Chili, das hatte Barthmann beim Kochen gesagt, müsse in die Suppe. Sein Rezept geht auf: Schon zwei Stunden nach Beginn des Fests ist der Großteil der Suppe aufgegessen.

Doch nicht immer klappt es, die Besucher über die Suppe hinaus zu begeistern. „Keine Ahnung, was das für ein Stand war, von dem die Suppe jetzt kommt“, sagt eine junge Frau und dreht sich in Richtung des Topfes um. Ihre Freundin kann sich zwar noch an die letzten beiden Suppen und einen Künstler auf einer der Bühnen erinnern – an die Initiativen, die die Suppe ausschenkten, jedoch nicht mehr.

Eine Straße weiter, am Stand des Nachbarschaftsgartens „Rosa Rose“, scheint das besser zu funktionieren. Bei Chili con carne mit Ananas bringen Shermin und Georg Pflanzen und Ideen unter die Besucher. „Suppe schafft immer gleich ein warmes Verhältnis“, sagt Georg. Nach ihrem Umzug suchen die Gärtner noch Mitstreiter für das Pflanzen am neuen Standort. „Ich glaube, hier sind schon viele interessierte Leute“, sagt Shermin.

Als am frühen Abend die Töpfe leer sind, sammeln sich die Festbesucher vor den Bühnen. Die Musik wird lauter, die zahlreichen Eltern mit kleinen Kindern gehen nach Hause. Am Stand der Nische ist das Gas abgedreht, die Spendenkasse eingepackt. Nur noch auf dem Bordstein stehen einsam ein paar leere Suppenschalen.

Am 6. September 2010  erschienen bei: die tageszeitung

Artikel als PDF: S&M_Pressespiegel_TAZ